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Das digitale Problem des Handwerks

Mit welchen Stolpersteinen Handwerksunternehmen konfrontiert werden und wie sie dem am besten entgegenwirken können.

Viele Handwerks- und Gewerbebetriebe laufen Gefahr, die Macht der digitalen Medien zu unterschätzen. Wenn das Telefon von Woche zu Woche weniger oft klingelt, Aufträge und Neukunden ausbleiben, folgt das böse Erwachen …

Wirtschaftsforscher beschreiben bestimmte Branchen und Unternehmen gern als „unterdigitalisiert“. Stimmt das? Tatsächlich zeichnet sich ein Muster ab. Besonders in handwerklichen Branchen steht, größtenteils bei eingesessenen Betrieben, die Mundpropaganda als wichtigstes Werbemittel an oberster Stelle im Marketing. Problematisch wird es oft dann, wenn beispielsweise Betriebsübernahmen oder -übergaben geplant sind, da dann die gewohnten handelnden Personen gern von der Bildfläche verschwinden. Als neuer Eigentümer oder Betriebsbetreiber, egal ob als interner oder externer Nachfolger, in die Fußstapfen eines eingeschworenen Mundpropaganda-Profis zu steigen, ist Herausforderung pur. Meistens fehlt die Zeit sich, neben dem Halten hoher Qualitätsansprüche, noch mit Marketingangelegenheiten und administrativen Aufgaben zu befassen, was verheerende Folgen haben kann. So kann es dazu führen, dass Neukunden ausbleiben, Forderungen zu spät eingeholt und Verbindlichkeiten zu spät beglichen werden. Im schlimmsten Fall stellen Lieferanten die Materiallieferungen ein und Banken erhöhen den Zahlungsdruck, die Qualität der Produkte und Dienstleistungen lässt nach, Mitarbeiter und Stammkunden werden misstrauisch. Aus so einer Abwärtsspirale wieder herauszukommen ist sehr schwierig, zeitaufwändig und erfordert viele unternehmerische Kompetenzen.

 

„Wer aufhört zu werben um Geld zu sparen, kann ebenso seine Uhr anhalten um Zeit zu sparen.“

Dieses Zitat von Henry Ford trifft den Nagel auf den Kopf. Die Frage ob Werbung notwendig ist oder nicht dürfte damit beantwortet sein. Werbung ist aber nicht gleich Werbung. Das primäre Ziel von Marketingaktivitäten ist es, eine Zielgruppe auf die angebotenen Produkte und Leistungen aufmerksam zu machen und eine Kaufentscheidung auszulösen. Das kann auf unendlich viele Arten erfolgen. Eine der wohl wichtigsten Werbemöglichkeiten für Unternehmen ist die eigene Website, und zwar deshalb: In einer Studie von Herold.at wird angegeben, dass 50% aller Konsumenten die Unternehmens-Website besuchen, bevor sie sich für einen Anbieter entscheiden. Leider sind nur 11% der Websites qualitativ hochwertig und anspruchsvoll. Dadurch versetzen sich die Inhaber dieser „schlechten“ Websites selbst auf die Neukundenakquise-Ersatzbank. Wie gehen Konsumenten vor? Der Großteil der Konsumenten (92%) suchen auf Google nach Handwerksunternehmen. Auch hier besteht Handlungsbedarf: Es sind nur 34% der Websites für Google optimiert und nur 25% der Handwerker schalten Werbung auf Google.

 

Fazit

Um Abwärtsentwicklungen zu verhindern sollten unbedingt zwei Aspekte beachtet werden: Zum einen ist ein dem Unternehmen angepasster Marketingmix, welcher die Gewinnung von Neukunden sowie von neuen Aufträgen absichert, notwendig. Zum anderen müssen Möglichkeiten zur organisatorischen Unterstützung in administrativen und strategischen Angelegenheiten gefunden werden, welche helfen, die Performance und Kontrollmöglichkeiten im Unternehmen zu verbessern. Wenn diese Aspekte dann noch mit unternehmerischem Fingerspitzengefühl kombiniert werden, steht einem langfristig erfolgreichen Unternehmen (fast) nichts mehr im Wege.

- Sebastian Juffinger, 30.04.2020

Weitere Infos

Studien zeigen: Österreichische KMUs haben massiven Nachholbedarf im Online-Marketing: https://www.herold.at/marketing/presse/digitale-praesenz-5-vor-12-fuer-oesterreichs-kmus/

Das sagen Experten zur HEROLD KMU-Studie zum Thema Online-Marketing: https://www.herold.at/marketing/blog/expertenmeinung-zur-herold-kmu-studie/